Die Piraten-Esoterik
Posted by Gwenn
on Tuesday, March 9. 2010
Piraten mögen Wissenschaft. Daher mögen sie Aussagen, die eine Sachverhalt nach bestem Wissen und Gewissen "richtig" beschreiben. Aussagen, die inhaltlich nicht zutreffend sind, mögen sie nicht, sie werden aufs Vehementeste bekämpft.Die menschliche Psyche arbeitet leider etwas anders: Eine Aussage, die von einer anderen Person hingestellt wird, womöglich sogar Einfluss auf das eigene Verhalten ausübt, wird oft erst einmal abgelehnt. Das ist ein ganz natürlicher Reflex. Echte Ja-Sager gibt es wenige. Und wenn doch, billigt man ihnen selten Eigenständigkeit oder gar intelligente Fähigkeiten zu, selbst wenn das "ja" richtig ist. Zielführende Aussagen sind also nicht immer die inhaltlich richtigsten dieser Welt, auch wenn sie im Ende auf dasselbe Ziel hin arbeiten. Die Psychologie bedient sich bei der täglichen Arbeit dieses Sachverhalts.
Nun sind gerade oft die Menschen, die wissenschaftliche Aussagen und Faktizität mögen, genau die Menschen, die erst einmal äußerst kritisch hinterfragen, deren initialer Ablehnungsreflex daher erst einmal sehr groß ist. So auch, meiner rein subjektiven Wahrnehmung nach, ein Großteil der Piraten (und es würde mich nicht wundern, wenn der Reflex auch bei dieser Aussage zuschlägt). Je häufiger man einer Aussage (oder auch Person) dabei widersprochen hat, desto größer wächst die Verpflichtung, auch künftig rigoros diesen Standpunkt zu verteidigen.
Es ist erstaunlich, wie lange sich das Spiel aus Aussage, Widerspruchsreflex, verzweifeltem Argumentationsversuch, erneuter Aussage, erneutem Widerspruchsreflex als Selbstläufer durch Mailinglisten und Foren immer wieder aufs neue drehen kann, ohne dass dabei irgend jemandem des Spiels überdrüssig wird, oder die zugrunde liegenden Gesetzmäßigkeiten würdigt. Nu ja. Vielleicht, weil es eben Reflexe sind, und es schwierig ist, über den eigenen Schatten zu springen und zu sagen: "Ich mag das ja ungern zugeben, aber eigentlich steckt da ein wahrer Kern."
Das wäre aber vielleicht ein Weg, der tatsächlich hin zu einer wirklich ergebnisträchtigen Diskussion führen kann.
Die andere Alternative, stets das Gegenteil von dem zu behaupten, was man eigentlich meint, mag kurzfristig schneller zum Ziel führen, langfristig drohen die eigenen Werte dabei allerdings vor die Hunde zu gehen.
So herrscht bei den Piraten in erster Linie bei Aussagen Einigkeit, die so eindeutig sind, dass ihre intellektuelle Anspruchslosigkeit selbst den eifrigsten Ablehnungsreflex nicht aus dem Häuschen locken mag. Und der gemeine Pirat kommentiert überdrüssig: "Ja, das ist ja nix neues."
Inzwischen bleibt wohl nur, amüsiert die Versuche zu verfolgen, mit denen die eigenen Ablehnungsreflexe (wissenschaftlich!) untermauert werden. Da gibt es keine Studie, die nicht gefälscht oder zu einem abwegigen Zweck erstellt wurde, keine Instanz, der man auch nur im Entferntesten Unabhängigkeit oder Objektivität zugesteht (außer der eigenen Erfahrung, natürlich). Überhaupt gibt es nichts, was man selbst ganz anders machen oder sehen würde, weshalb alles andere Ablehnung, oder zumindest große Einschränkungen erfahren muss. So wird die ach so geliebte Wissenschaft Stückchen für Stückchen zerlegt, bis nichts mehr von ihr übrig bleibt. Alles im Namen ihrer selbst.
Aber ... das ist ja nix neues. Die Esoterik spielt dieses Spiel mit Medizin und anderen Wissenschaften schon seit Jahrzehnten, wo sie nur kann. Und dort kann sich eine große Branche ganz hervorragend davon ernähren.
An eine Partei oder eine Diskussion im Sinne der Polis (oder gar der Vernunft) erinnert das allerdings wenig.

Songs (modern)






und was ist nun die Piraten-Esoterik?
Na, ich sehe da nur Menschliches Allzumenschliches um es mit Nietzsche zu sagen.